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Geschichte und Wirtschaft Kolumbiens

Kolumbien verfügt über eine demokratische Regierung und eine florierende Wirtschaft. Es liegt auf dem Weg von Süd- nach Nordamerika und ist das einzige südamerikanische Land mit Zugang zum Pazifik und zum karibischen Meer! Doch trotz der Öffnung zu zwei Ozeanen, liegen die Wirtschaftszentren in den Anden und Bogotá.

Bevölkerung

Die Bevölkerung (42 Millionen Menschen) setzt sich wie folgt zusammen:

  • 70% Mischlinge
  • 2% indianischer Herkunft
  • 7% Schwarze (überwiegend an der Küste)
  • 20% europäische Abstammung (in Antioquia und anderen Städten)

75% der Bevölkerung lebt in den Städten. Die wirtschaftlichen Zentren bilden Medellin, Cali und Bogotá.

Wirtschaft

Die kolumbianische Wirtschaft ist vielfältig:

  • Schnittblumen (zweitgrößter Produzent der Welt)
  • Erdöl und Erdgas
  • Nickel
  • Gold
  • Smaragde (weltweit größter Lieferant).

Im Dienstleistungssektor werden über 60 % des Bruttoinlandprodukts produziert.

Bis in die jüngste Vergangenheit wuchs die kolumbianische Wirtschaft noch um 4%. Dies hat die Kluft zwischen Arm und Reich jedoch nicht verringert.

Über 60% der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 18%. In den Städten leben die meisten Einwohner, und sie sind wirtschaftlich aktiv. 90% des Landes werden von Rebellen, Paramilitärs und Drogenhändlern beherrscht.

Guerillaorganisationen

In den 60iger Jahren entstanden folgende Guerillaorganisationen:
Die FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – mit 15.000-20.000 Kämpfern. Die ELN (Nationales Befreiungsheer) mit 5000 Kämpfern. Diese Bewegungen gehen nicht auf ethnische, regionale oder religiöse Konflikte zurück, sondern sind aus politischen oder gesellschaftlichen Gruppen hervorgegangen. Die Forderungen werden mit Gewalt vertreten, weil sie sich sonst kein Gehör verschaffen können. Die Geschichte Kolumbiens erklärt zum Teil die Entstehung der Gewalt: Als der von Simon Bolivar 1819 geführte Unabhängigkeitskrieg zu Ende war, galt das nicht für den Kreislauf der Gewalt. In einem permanenten Bürgerkrieg standen sich zwei Parteien gegenüber: Die traditionellen, katholisch Konservativen, die für einen zentralistischen Staat eintreten und die Liberalen, die einem föderalen und laizistischen Staat den Vorzug geben.

Kriege

Dabei kam es zu mehreren Kriegen:
Der Krieg der tausend Tage, von 1899 – 1902, mit 200.000 Opfern und der Violencia, von 1948 – 1957 mit 300.000 Opfern. Die Konservativen und Liberalen vertraten vor allem die Interessen der politischen und wirtschaftlichen Eliten des Landes. Sie kümmerten sich nicht um die Belange der Bevölkerung, wie die von den Bauern geforderte Agrarreform. In dieser Situation entstanden Anfang der 60iger Jahre die Guerillabewegungen ( nach der Violencia befanden sich noch viele Waffen im Land). Es traten aber noch andere Protagonisten auf den Plan. 1959 erlangte Fidel Castro die Macht in Kuba. Einige kolumbianische Guerillabewegungen, die sich auf die Bauernschaft stützten, orientierten sich am kubanischen Model. Der bewaffnete Kampf erschien ihnen als der einzige Weg zur Veränderung der Gesellschaft. Die Rebellen begannen ihren Kampf mit Drogenhandel zu finanzieren. Die Kokapflanze, welche von den Indianern schon seit langem angebaut wird, dient seit den 80iger Jahren zur Herstellung von Kokain. Mit ihrem Anbau lässt sich doppelt so viel verdienen, wie mit Kaffee.

Drogenhandel, Gewalt und Erpressungen

Kolumbien produziert und exportiert weltweit die größten Mengen Kokain. Außerdem werden Heroin und Marihuana hergestellt. Ein Teil der Erträge aus dem Drogenhandel (1-4% des BIP) werden reinvestiert im Pharma-, Dienstleistungs- und Immobiliensektor. Den Drogenhandel kontrollierten ursprünglich die Drogenkartelle aus Cali und Medellin, die von den geographischen Gegebenheiten des Landes profitierten. Die Karibik ist traditionelles Schmuggelgebiet. Es befindet sich auf halben Weg zwischen den Kokabauern und den Konsumenten in den USA.

Auch der Weg zu den Geldwäschern in Panama und zu den Steuerparadiesen in den westindischen Inseln ist nicht weit. Inzwischen tragen auch die Guerillabewegungen intensiv zum Drogenhandel bei. In den 80iger Jahren boten sie den Kokabauern ihren Schutz an. In den 90iger Jahren fungierten sie als Zwischenhändler zwischen Produzenten und Händlern. Sie kassierten dafür Gebühren, um ihren Kampf zu finanzieren. Heute kontrollieren die Rebellen oft selbst den Drogenhandel.

Außerdem wird der Kampf mit Erpressung und Entführung von Ausländern und bekannten Persönlichkeiten finanziert. Im Februar 2002 wurde die Präsidentschafts-Kandidatin Ingrid Betancourt entführt und bis heute nicht frei gelassen. Auf die Gewalt und die daraus entstehende Unsicherheit reagieren zwei Akteure: Der kolumbianische Staat reagiert mit Repression und militärischen Mitteln. Er überließ der FARC 1998 eine 42.000 m2 große entmilitarisierte Zone, die aber bald zu einem befestigten Lager wurde. Im Jahr 2002 wurden die Gespräche zwischen FARC und der Regierung abgebrochen. Auch die Paramilitärs reagieren auf die Ohnmacht des Staates. Sie wurden von Unternehmern und Großgrundbesitzern gegründet, die die Erpressungen durch die Guerillas nicht ertragen konnten. Ihre Aktivität führte jedoch zu noch mehr Gewalt.

Heutzutage finanzieren sie sich auch durch Drogenhandel, Gewalt und Erpressungen. In dieser Situation erarbeitete die kolumbianische Regierung zusammen mit den USA den Plan Colombia. Es handelt sich um ein Militär- und Finanzhilfeprogramm zur Bekämpfung des Drogenhandels (ein Großteil der Drogen wird in den Vereinigten Staaten konsumiert). Die USA sollen bereits über mehrere Stützpunkte in der Region verfügen: El Salvador, Honduras, Ecuador, Guantanamo auf Kuba und Curacao. Ihre wirtschaftlichen Interessen sollen geschützt werden, wie die Ölpipeline von Cano-Limon im Nord-Osten des Landes.


Mehr Informationen:

>>> Auf dem Weg in den Bürgerkrieg
 
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